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22.04.2024
HCC

Degelo Architekten, Basel

Heidelberg Congress Center: Ein kompakter Kubus mit vielfältigem Innenleben

Die Wissenschafts-Stadt Heidelberg erhält ihr erstes großes Kongress- und Tagungshaus. Das Basler Büro Degelo Architekten hat ein ausdrucksvolles Gebäude errichtet, das außen zunächst kompakt und schlicht wirkt, sich im Innern aber als komplex und vielseitig erweist.

Selbst in unserer digitalen Welt haben Kongresse und Messen eine wichtige Funktion: Menschen wollen sich treffen und austauschen. In Wissenschaft und Forschung, aber auch in Politik, Wirtschaft und Kultur bilden sich so Netzwerke und findet Wissenstransfer statt. Ein Haus für solche Veranstaltungen hat der traditionellen Universitäts-Stadt Heidelberg, die zwar über ein Theater und eine Stadthalle verfügt, bislang gefehlt. Degelo Architekten haben nun ein Kongresshaus entwickelt, das flexibel auf verschiedenste Veranstaltungsformate reagieren kann. Rund 3.800 Personen können hier gleichzeitig an Konferenzen, Symposien, Meetings oder Barcamps teilnehmen.

Das Heidelberg Congress Center liegt direkt am Hauptbahnhof in dem neuen Quartier „Bahnstadt“. Der gebäudehohe, verglaste Eingang des mehrgeschossigen Sandsteingebäudes ist auf den ebenfalls neuen südlichen Bahnhofsplatz, den „Europaplatz“ ausgerichtet. Durch die schräg eingezogene Glasfläche am Haupteingang entsteht ein kleiner schützender Vorplatz, dessen auflockernde Wirkung durch einen Knick in der Fassade und eine leicht abfallende Dachkante nach Osten unterstützt wird. Dem gleichen Prinzip folgt der zweite Eingang, der sich zum westlichen Zollhofgarten – eine große öffentliche Grünfläche mit Gastronomie – wendet. Diese Öffnungen zu den beiden Freiräumen hin verleihen dem Gebäude trotz seiner monolithischen Kompaktheit einen repräsentativen, zugleich aber offenen und einladenden Charakter. Obwohl es die Fluchten der benachbarten Gebäudekanten genau aufnimmt und sich somit ins städtebauliche Gefüge der Bahnstadt eingliedert, ist es durch seine Gestaltung klar als öffentliches Gebäude erkennbar. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Fassade.

Eine Fassade wie ein Vorhang: massiver Sandstein wirkt leicht und lebendig

Die Fassade besteht – wie das Heidelberger Schloss und viele Altstadtbauten – aus dem rötlichen "Neckartäler Hartsandstein", wie er schon seit 1.000 Jahren im Umland gebrochen wird. Ein großer Unterschied besteht allerdings in seiner Bearbeitung – sowohl gestalterisch als auch technisch.

An der nahezu fensterlosen Fassade sind die Geschosse nicht direkt ablesbar – nur über die Eingänge hat man direkten Einblick in die Foyers und zur Galerie im 1. Geschoss. Der massive Sandstein hat eine senkrechte, leicht wellige Struktur. Das erinnert an einen Theatervorhang und verleiht dem festen Stein durch das Licht- und Schattenspiel einen Hauch von Leichtigkeit. Die Kanneluren wurden als Linienscharrierung – eine alte Steinmetztechnik – digital gefräst und danach manuell ausgebrochen. Durch diese grobe Oberflächenbearbeitung tritt die feine gelbliche Maserung des Natursteins in den Hintergrund. Im Kontrast dazu sind die beiden Eingangs-Nischen und die wenigen tropfenförmigen Rundfenster glatt und präzise feingeschliffen, sodass hier die Maserung gut erkennbar ist.

Innen führt das Licht Regie

In Kontrast zur Kompaktheit des Gebäudes mit den wenigen Fenstern überrascht das Innere mit lichten und hellen Räumen, die nahezu entmaterialisiert wirken. Dieser Eindruck entsteht bereits beim Betreten des fast 20 Meter hohen, durch Zenitlicht erhellten Foyers und verstärkt sich im ebenfalls fast gebäudehohen „Großen Saal“, der zweifellos der Protagonist im Raumgefüge ist. Dort fällt das natürliche Licht durch elliptische Aussparungen am seitlichen Rand des Kappengewölbes, sodass der eigentlich schwere Beton wirkt, als würde sich hier leichter Stoff entfalten – das Motiv des Vorhangs wird hier wieder aufgenommen. In diesem Raum können bis zu 1.800 Menschen Platz finden. Eine kleine Bühne ermöglicht auch Theatervorführungen und Konzerte.

Nicht nur durch die Oberlichter, sondern auch durch die verglasten Eingänge dringt viel natürliches Licht bis tief nach innen – so inszeniert ein ausgeklügeltes Licht- und Schattenspiel die ungewöhnliche Raumordnung mit ihren vielen Blickbeziehungen. Ein spielerisches Element sind die runden Leuchten aus mundgeblasenem Opalglas, die wie Seifenblasen an der Decke schweben – die darin verborgenen LEDs sind digital je nach Bedarf steuerbar.

Die öffentlichen Bereiche im Gebäude sind fast durchgehend weiß: Weißbeton und helle Terrazzoböden bestimmen das Farbkonzept. Den einzigen, auch haptischen Kontrast bilden die warmen Farbtöne der Türen und Details aus Ulmenholz, das einige Veranstaltungsräume (wie den „Kleinen Saal“ im 1. OG) auskleidet. Schwarz oder dunkel sind dagegen nur das Studio für Live-Streaming, die Showküche und die Sanitärräume.

Die Dramaturgie: eine spannungsvolle und flexible Raumordnung

Durch einen aufregenden Wechsel von niedrigen und sehr hohen, von engen und weiten Räumen entsteht eine spannungsreiche Raumwirkung. Maßgeblich für das Raumkonzept war jedoch, dass das Haus maximal flexibel für große und kleine Veranstaltungen aller Art ist, ob dies nun wissenschaftliche Kongresse oder Hearings, kleinere Theatervorstellungen oder Konzerte sind – die auch parallel stattfinden können. Durch die beiden Eingänge mit ihrem je eigenen Foyer ist es möglich, bei Bedarf zwei voneinander getrennte Bereiche zu schaffen, deren Wege sich nicht kreuzen. Insgesamt bietet das Heidelberg Congress Center zwei Säle und neun Tagungsräume, die teilweise miteinander kombinierbar sind, ein Studio für Live-Streaming und Videoproduktion sowie eine Showküche. Ein Highlight im 2. Obergeschoss ist der Innenhof, der wie ein Freilufttheater ins Dach eingeschnitten ist.

Die Wirkung: langfristig und nachhaltig

Die stützenfreien Grundrisse lassen nicht nur für große und kleine Events, sondern auch bei späteren Nutzungsänderungen eine hohe Flexibilität zu – was sich wiederum günstig auf den Lebenszyklus und damit auf die Ökobilanz auswirkt. Hier kommt auch wieder die kompakte Form des Kongresszentrums ins Spiel: Es entsteht ein günstiges Verhältnis von Oberfläche zu Raumvolumen. Auch die Erschließungsflächen konnten weitgehend gering gehalten werden, was eine gute Flächeneffizienz ermöglicht. Die Tragstruktur aus Recycling Beton speichert eine reduzierte Menge an grauer Energie und sorgt als thermisch träge Masse für eine gute Energiebilanz im Betrieb.  Die – abgesehen von der großzügigen Verglasung – weitgehend geschlossene Fassade trägt ebenfalls ihren Teil als Speichermasse bei. Die Wärme- und Kälteproduktion kommt mit einem Minimum an Primärenergie aus und nutzt die Prinzipien der Nachtauskühlung und der Wärmerückgewinnung. Grundsätzlich war der Leitgedanke für das Energiekonzept: den Bedarf zu minimieren, den Restbedarf mit lokalen und regenerativen Ressourcen zu erzeugen und effizient zu nutzen. Das Heidelberg Congress Center ist im Passivhausstandard geplant worden, die Zertifizierung mit dem Qualitätssiegel Gold der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) wird angestrebt.

 

Pressebild 1
© Degelo Architekten
Pressebild 2
© Achim Birnbaum
Pressebild 3
© Degelo Architekten

Degelo Architekten wurde 2005 von Heinrich Degelo gegründet. Zu seinen bekanntesten Werken zählen das Kunstmuseum Liechtenstein in Vaduz und der Messeturm in Basel – mit seinem ehemaligen Partner Meinrad Morger. 2010 modernisierten und erweiterten Degelo Architekten das Kongresszentrum in Davos, dies bereits mit dem heutigen Büropartner Florian Walter. 2015 bauten sie die Universitätsbibliothek Freiburg um, und 2018 sanierten und modernisierten sie die St. Jakobshalle in Basel. Zuletzt machte Degelo Architekten 2019 mit dem kostengünstigen und ökologischen Wohnatelierhaus Erlenmatt Ost in Basel von sich reden. www.degelo.net/