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Presseinformation
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Philipp Meuser |
Neu bei DOM publishers:
Philipp Meuser
Seismic Modernism
Architecture and Housing in Soviet Tashkent
Am 26. April 1966 erschütterte ein Erdbeben Taschkent und legte die orientalische Altstadt in Schutt und Asche, während die russische Neustadt weitgehend intakt blieb. Die usbekische Stadt an der Seidenstraße war damals schon eine Stadt der Gegensätze: Schmale, verwinkelte Gassen, Moscheen, Medresen und Lehmbauten in der gewachsenen Altstadt standen einer geordneten Neustadt mit breiten Boulevards gegenüber. Heute, fast 60 Jahre nach dem Erdbeben, gilt Taschkent als Heimat der weltweit schönsten Plattenbauten.
In der Publikation Seismic Modernism von Philipp Meuser dreht sich alles um die Wiederaufbaubemühungen, die einen erstaunlichen Innovationsschub auslösten und die Modernisierung der Stadt forcierten. War die Industrialisierung Taschkents und somit die Zuwanderung von Arbeitskräften schon vorher in vollem Gange, sodass bereits einige serielle Wohnbauten standen – es gab bereits mehrere Wohnungsbaukombinate vor Ort –, wurde diese städtebauliche Tendenz verstärkt. Stadtplaner konnten nun ihre Umbaupläne für die etwa 300.000 Obdachlosen in großem Stil verwirklichen. Zwanzig verschiedene Planungsinstitute und Baukombinate aus allen Teilen der UdSSR leisteten ihren Beitrag zum Wiederaufbau. Die Architekten integrierten regionale Bautraditionen in ihre modernen sozialistischen Entwürfe – ein bis dahin noch nie da gewesenes Phänomen, am deutlichsten erkennbar etwa an den Fassadenmosaiken der Scharski-Brüder. So nimmt die südlichste Millionenmetropole der Sowjetunion aufgrund der Quantität, der Vielfalt und ihres Schmucks eine Sonderstellung im sowjetischen Plattenbau ein. Sie fand ein Pendant lediglich in Slavutych, der Nachfolgestadt von Tschernobyl, das exakt 20 Jahre später (am 26. April 1986) durch einen Reaktorunfall zerstört wurde. Der Wiederaufbau Taschkents ist ein Paradebeispiel der sowjetischen Idealvorstellungen von Stadtplanung, in der technische Standardisierung und die Berücksichtigung sozialer Bedürfnisse sich ergänzten. Das macht dieses Thema heute aktueller denn je.
Philipp Meuser, Experte für seriellen Wohnungsbau in der Sowjetunion, der bereits zahlreiche Publikationen zum Thema verfasst hat und für eine Würdigung und Neubewertung des Plattenbaus plädiert, verfolgt diese Geschichte der modernen Stadtentwicklung Taschkents von der Vorgeschichte über den Beginn des seriellen Wohnungsbaus 1956 und den Bauboom nach dem Erdbeben bis zum Ende der Sowjetunion 1991. Dieser Band ist eine bibliophile Neuauflage des 2016 erschienen und schnell vergriffenen Vorgängerbandes der Grundlagen-Reihe. Ein neuer Architekturführer Slavutych erscheint ebenfalls bei DOM publishers.
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![]() © Tashkent House of Photography |
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