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Presseinformation

Ritter Schumacher Architekten, Chur
Mühle Grüsch: Zirkuläres Bauen im Alpendorf
In der Gemeinde Grüsch im Kanton Graubünden hat das Architekturbüro Ritter Schumacher eine alte Mühle zu einem Wohnungsbau transformiert. Die insgesamt 52 Wohnungen sind seit November 2025 bezugsfertig. Das Hauptgebäude wurde dafür saniert und umgebaut; der 30 Meter hohe Getreideturm aus dem Jahr 1939 musste zwar abgerissen werden, doch der Beton wurde nach einer eigens entwickelten Rezeptur neu aufbereitet und für den Wiederaufbau genutzt. Für die nachhaltige und zirkuläre Bauweise erhielt die Mühle drei DGNB-Zertifikate, darunter das erste Rückbauzertifikat der Schweiz.
Das 2.000-Einwohner-Dorf Grüsch im vorderen Prättigau liegt ungefähr zwischen Chur und Davos und eine gute Fahrstunde von Zürich entfernt. Ortsfremde wundern sich vielleicht über ein großes Wohngebäude, das weit über den örtlichen Kirchturm hinausragt und auf den ersten Blick überdimensioniert wirkt. Doch für Einheimische ist der schon von weitem sichtbare Bau eine Art Wahrzeichen – auch wenn er sich jetzt in schwarze Solarpaneele kleidet: Denn Form und Volumen des Wohnturms entsprechen dem Silo der Getreidemühle am Taschinasbach, deren Geschichte bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Später, ab 1889, erhielt Grüsch als eines der ersten Bündner Dörfer Strom durch die Mühle, und der nahe Bahnhof erleichterte den Transport von Getreide und Mehl – und heute den Menschen das Pendeln.
Seit der Stilllegung im Jahr 2010 wurden verschiedene Ideen für die Umwandlung der Industriebrache durch Abriss und Neubau wieder fallen gelassen, weil sie aus Sicht der klassischen Immobilienentwicklung zu wenig Rendite versprachen und zu viel Risiko bargen. Schließlich erwarb das Unternehmen GUTGRÜN AG das Areal mit dem ausdrücklichen Ziel, hier ein Projekt des zirkulären Bauens mit Modellcharakter entstehen zu lassen: Mit ihrer Expertise wollten die GUTGRÜN-Gründer Zindel AG und Schumacher Beteiligungen AG den Beweis antreten, dass ökologisch und sozial verträgliches Bauen auch für Investoren und Entwickler ökonomisch sinnvoll, lohnend und damit ebenfalls nachhaltig ist.
Transformation mit minimalem Materialeinsatz
Hauptgebäude und Turm verfügen jetzt über verschiedene Wohnungen – jede mit Loggia oder Balkon – für unterschiedliche Lebensentwürfe. Die meisten davon sind 37 kleinere 1,5 bis 3,5 Zimmer-Wohnungen auf elf Etagen im Turm mit rund 30 bis maximal 89 Quadratmetern. Diese werden in Grüsch auch dringend benötigt, weil durch den neuerlichen Zuzug von Maschinenbau-Hightech-Firmen neue Arbeitsplätze entstanden sind. Im sanierten und umgebauten, vierstöckigen Hauptgebäude befinden sich dagegen bis unter das Satteldach fünfzehn Loftwohnungen mit 2,5 bis 3,5 Zimmern und bis zu 147 m².
Wo es möglich war, blieben die Oberflächen des Altbaus unbehandelt. Sogar die Graffiti einer Urban Art Ausstellung blieben erhalten, die das Haus als eines der Zwischennutzungsprojekte in den Jahren des Leerstands nutzte. Diese bringen in den offenen, großzügigen Räumen des ehemaligen Industriebaus den Charme einer Großstadt in das Alpendorf.
Aus altem Beton neu geformt
Das fensterlose Hochsilo mit seinen vielen Kammern und dünnen Wänden konnte aus statischen Gründen nicht mit solchem Minimalaufwand saniert werden. Nach dem Rückbau wurden die Baustoffe jedoch sortenrein getrennt und nach Möglichkeit wiederverwendet. Der Beton zum Beispiel wurde zu 100% im nahe gelegenen Werk Untervaz der GRIBAG AG geschreddert, rezykliert und floss wieder in den Neubau ein. Für die neue Betonproduktion wurde die benötigte Gesteinsmischung zu 75-95% mit dem Abbruchbeton ersetzt und ein CO2-reduzierter Zement verwendet: So wurde der Wohnturm praktisch aus dem gleichen Material neu modelliert und besteht nun zu 60% aus dem alten Turm. Die Rezeptur wurde zusammen mit Kieswerk, Baumeister, Zementhersteller und Statiker nicht nach SIA-Norm, sondern exakt auf die für die Statik nötige Körnung abgestimmt.
Für die ganze Mühle gilt: Wo neue Materialien eingesetzt werden mussten, sind sie konsequent ECO-zertifiziert, also schadstofffrei und ressourcenfreundlich hergestellt. So stammt das Holz aus der Schweiz und ihren Nachbarländern, für die Dämmung wurde regionale Steinwolle eingesetzt. Alle Materialien sind für eine etwaige spätere Umnutzung oder einen Rückbau dokumentiert.
Voller Energie
Eine Art Kraftwerk ist die Mühle Grüsch trotz der Umnutzung geblieben. Wo man früher die Wasserkraft nutzte, um Mehl und dann auch Strom zu produzieren, sind es heute Solarzellen an der Fassade und auf dem Dach, die die künftigen Hausbewohner mit Energie versorgen. Für Wärme sorgt eine zentrale Wärmepumpe, ergänzt durch kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung. Das Energiekonzept der Mühle Grüsch basiert vollständig auf erneuerbaren Quellen.
Der Turm erfüllt den Minergie-P-Standard und soll über den gesamten Lebenszyklus hinweg eine optimierte CO₂-Bilanz erreichen. Die Ritter Schumacher hat dafür die Tragkonstruktion, die Grundrisse, die Installationen und selbst das Design konsequent und immer mit Blick auf den CO₂-Abdruck weiterentwickelt. Dabei ist auch eine neue Ästhetik entstanden, wie am deutlichsten wohl die schwarzen, matt glänzenden Solarpaneele zeigen, die die Fassade vertikal gliedern.
Mit dem Mühle-Projekt will die GUTGRÜN AG zeigen, dass nachhaltiges Bauen auch in einer Randregion möglich ist und sich rechnet. Die drei DGNB Zertifizierungen bestätigen dies: schweizweit das erste Rückbauzertifikat mit DGNB PLATIN für den Abbruch, DGNB GOLD für den Neubau des Turms und DGNB GOLD für die Sanierung des alten Mühlegebäudes.
Effizienz durch Allianzen
Die Ritter Schumacher arbeitet häufig in einem Allianzmodell: Planende, Bauherren und ausführende Firmen sind bereits frühzeitig involviert, entwickeln das Projekt gemeinsam und setzen es um. Dieses Vorgehen verändert die Rollen aller Beteiligten. So agiert niemand isoliert, sondern als Partner oder Moderator – die Verantwortung übernehmen alle, alle denken mit. Die Risiken werden in einem solchen Modell gemeinsam getragen, vom Erfolg profitieren alle. Durch die Zusammenarbeit von Anfang bis Ende entstehen Vertrauen, Effizienz und Qualität. Selbst entwickelte digitale Tools zur Bewertung und Einhaltung der Nachhaltigkeitsstrategie erlauben auch projektübergreifendes Arbeiten. So fließen die Erfahrungen aus der Mühle Grüsch bereits in neue Projekte ein.
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![]() Alle Bilder:© Daniel Ammann |
Ritter Schumacher AG, Chur / Pontresina / Vaduz / Zürich Die Ritter Schumacher AG ist ein interdisziplinär arbeitendes Architekturbüro mit Sitz in Chur, Pontresina, Vaduz und Zürich. Entstanden ist das Unternehmen am 1. Januar 2014 aus der Fusion der architektschumacher ag (gegründet 1967) und der Ritter Jon Architekten AG (gegründet 2001). Heute beschäftigt die primär in der Deutschschweiz aktive Ritter Schumacher AG knapp 100 Mitarbeitende. Das Büro versteht sich als Generalist in einer zunehmend komplexen Bauwelt und vereint eine Bandbreite an Kompetenzen unter einem Dach. Seine Projekte – von Wohn- und Verwaltungsbauten bis zu öffentlichen Anlagen – zeichnen sich durch ganzheitliche Planung und ästhetische Klarheit aus. Mit konsequenter Anwendung digitaler Methoden wie BIM und einem integralen Nachhaltigkeitsansatz entwickelt Ritter Schumacher zukunftsfähige Projekte, die Mensch und Raum in Einklang bringen. www.ritterschumacher.com
GUTGRÜN AG, Chur Die 2021 gegründete GUTGRÜN AG mit Sitz in Chur entwickelt, baut und betreibt nachhaltige Immobilien entlang des gesamten Lebenszyklus – von der strategischen Planung bis zum Betrieb. Im Fokus stehen ökologische, ökonomische, soziale, technische und prozessuale Aspekte, zertifiziert nach DGNB/SGNI. Das Unternehmen entstand aus der Partnerschaft der Firmen ZINDEL AG und Schumacher Beteiligungen AG. Das Unternehmen setzt neue Standards im nachhaltigen Bauen und nutzt innovative Instrumente wie den Gebäuderessourcenpass. Ein Leuchtturmprojekt ist die Mühle Grüsch, die schweizweit als erstes Projekt auch mit einem DGNB-Rückbauzertifikat ausgezeichnet wurde. www.gutgruen.ch
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