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29.03.2022
UB Basel Umbau und Sanierung

Schröer Sell Architekten, Basel

Die Bibliothek im Umbruch

Wie gestaltet sich das Lernen der Zukunft? Schröer Sell Architekten machen die Basler UB zum Lernlaboratorium.

Seit Herbst 2021 ist der Umbau der UB Hauptbibliothek fertiggestellt. Schröer Sell Architekten aus Basel haben die Lernplätze nicht nur ausgebaut, sondern eine Lernumgebung für die Zukunft gestaltet. Doch der Planungsprozess ist noch nicht abgeschlossen, denn der Umbau war der erste Schritt einer kontinuierlichen Anpassung an neue Lern- und Arbeitsmethoden.

Mit der Digitalisierung haben sich die Anforderungen an Bibliotheken stark verändert und werden sich auch in Zukunft weiterhin verändern. Während Studentinnen und Studenten im analogen Zeitalter vorwiegend in die Bibliothek gingen, um Bücher auszuleihen, nutzen sie die Räume heute vermehrt zum gemeinsamen Lernen sowie als Ort für den Austausch. Die neue Art des Lernens führt dazu, dass bestehende Bibliotheken in Zukunft angepasst und umgebaut werden müssen.

Aus diesem Grund hat auch die Universitätsbibliothek Basel (UB) vor drei Jahren eine Ideenstudie ausgeschrieben: einerseits, um dem wachsenden Bedarf an Lernplätzen gerecht zu werden und andererseits, um die bestehenden Räume an die heutigen und zukünftigen Lernbedürfnisse der Studentinnen und Studenten anzupassen. Schröer Sell Architekten haben den Planungsauftrag erhalten und die Umbau- und Sanierungsarbeiten der UB Hauptbibliothek gemeinsam mit Moosmann Bitterli Architekten aus Basel von September 2020 bis Herbst 2021 bei laufendem Betrieb der Bibliothek umgesetzt. Doch die Wiedereröffnung ist nur vorläufig, denn die Interventionen in der UB Basel sind nicht abgeschlossen. In den nächsten Jahren steht eine Totalsanierung des komplexen Bestandes an. Mit dieser kann erst begonnen werden, wenn der zu schützende Sonderbestand aus dem Altbau in den eigens dafür noch zu planenden Neubau übersiedelt ist.

Somit mussten die Architekten mit minimalen und vor allem reversiblen Eingriffen eine neue räumliche Ordnung entwickeln, die die ästhetische Struktur erhält und gleichzeitig flexibel auf zukünftige Veränderungen reagiert. Im Wesentlichen besteht die UB Basel aus einem Altbau, von dem nur noch der Magazinbau von Emanuel La Roche aus dem Jahr 1896 besteht, und einem Erweiterungsbau von Otto Heinrich Senn aus den 1960er Jahren. Besonders markant am neuen Bibliotheksbau ist der große Lesesaal mit Galerie, der von einer Betonschalen-Kuppel überspannt wird. Beim Umbau orientierten sich die Architekten an den jeweiligen Stilen der beiden ineinander übergehenden, inventarisierten Gebäude: Die Maßnahmen im Altbau richten sich mit den Schreibablagen aus massiver Eiche, den Ohrensesseln, gewebten Teppichen und den Metalllampen nach der Epoche des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Im moderneren Senn-Bau wurden dagegen die kubischen Formen, das für die 1960er Jahre typische Ulmenfurnier, die Holzlamellen der Decke und die Leinenstoffe neu interpretiert und eingesetzt. Außerdem konnten viele originale Möbel saniert und wiederverwendet werden.

Die Aufteilung der unterschiedlichen Raumfunktionen hat sich in der Vergangenheit bewährt und konnte beibehalten werden: der Kopfbau mit der freistehenden Treppenanlage und den Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Seminarräumen sowie Cafeteria; im 1. Obergeschoss die Bibliothek mit der Abfolge von Lesesälen und dem Kuppelsaal und die direkte Anbindung an die Magazine des 19. Jahrhunderts; seitlich und separat erschlossen liegt der Verwaltungsflügel. Was sich jedoch verändert hat, ist die vermehrte Nutzung der Bibliothek als Ort des Lernens und der Begegnung. Deshalb wurden die bestehenden Lernplätze durch zusätzliche 437 fast verdoppelt. Wie in einem „Lern-Laboratorium“ können jetzt neue Lernformen an langen oder runden Tischen, in Lounges oder abgetrennten Kabinen sowie in versteckten Nischen erprobt werden. Dafür haben die Architekten die Möbel größtenteils selbst entworfen.

Eine wesentliche Veränderung fand im Eingangsbereich und im Haupttreppenhaus des viergeschossigen Gebäudes statt. Diese wurden komplett freigespielt und durch eine Informationszone, eine Lounge und Steharbeitstische zu einer Aufenthalts- und Begegnungszone aufgewertet. Die außergewöhnliche Treppenform kommt jetzt zur vollen Geltung, weil die Garderoben ins Untergeschoss und die Fluchtwege in zwei Nebentreppenhäuser verlegt wurden. Außerdem ist durch die Einführung eines digitalen Ausleihsystems zusätzlicher Platz entstanden. Auf dem 2. und 3. Geschoss, also auf dem Weg zu den verschiedenen Lernräumen, wird der Raum um das Treppenhaus durch Sofa-Inseln und Diner-ähnliche Tische neu auch als Arbeitsplatz genutzt. Neben einem Konferenzraum und Einzelarbeitsplätzen für verschiedene Lern- und Arbeitsformen steht den Studierenden im 3. Obergeschoss auch ein Familienzimmer zur Verfügung.

Neue Lern- und Leseplätze sind auch im Zeitschriftenmagazin im 1. Untergeschoss entstanden. Aus klimatischen Gründen sind diese in orangen Sperrholz-Boxen untergebracht, welche sich mit großen Glasscheiben zum botanischen Garten hin öffnen. In anderen Nischen können die Studentinnen und Studenten hinter dicken, dunklen Vorhängen auf schwarzen Sitzsäcken ganz entspannt lesen und arbeiten. Im Freihandmagazin der Jahrhundertwende wurden ungenutzte Zwischenräume zu einladenden Lernplätzen im Stil des Fin-de-Siècle umgewandelt, indem man sie in die Fenstersimse und Nischen zwischen den historischen Bücherregalen einpasste.

Lerntechnologien entwickeln sich stetig weiter, und so ist die UB Basel ein Projekt in fortlaufendem Prozess. Es ist geplant, das Lernlaboratorium zu evaluieren, ggf. entsprechend anzupassen und die Ergebnisse auf die Anforderungen an die geplante Generalsanierung anzuwenden. Da diese Erkenntnisse auch auf andere Bibliotheken übertragbar sein werden, werden sie demnächst in einem Buch über „Neue Lernräume an der Universität Basel“ veröffentlicht.

 

UB Basel

© Andi Cortellini

 
UB Basel

© Andi Cortellini

 
UB Basel

© Mark Niedermann

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Schröer Sell Architekten
Das Architekturbüro Schröer Sell Architekten wurde 2008 in Basel gegründet. Mit ihrem Team erarbeiten Ulrike Schröer und Gerrit Sell individuelle Lösungen für Neubauten, Erweiterungen und Sanierungen, welche sie durch alle Leistungsphasen begleiten. Der Schwerpunkt der Tätigkeit liegt beim Bauen im Bestand, im Bereich der Denkmalpflege und des Heimatschutzes. Neben zahlreichen Privatbauten konnten in den letzten Jahren diverse Projekte für neue Lernräume auf dem Campus der Universität Basel realisiert werden. Gerade hierbei war der Dialog im Partizipationsverfahren zwingend, um neue Lösungen für zukunftsgerechte Nutzungsanforderungen von Bildungseinrichtungen zu entwickeln und für die Projekte eine breite Akzeptanz zu schaffen
www.schroeer-sell.com